Anne ist Mutter. Hier ist ihre Geschichte.

Anne ist Mutter.
Sie liebet ihre Kinder.
Sie ärgert sich über ihre Kinder.

Ein Kind in der Trage vor dem Bauch,
in einer Hand den rollenden Trolley mit den Einkäufen.
Ihr Sohn hebt den Trolley an.

Sie ärgert sich.
Denkt: “ Der Einkauf ist doch sowieso schon so schwer. Was soll denn das jetzt?“
Sagt: „Bitte lass den Trolley runter. Er ist jetzt ja noch schwerer.“
Sie zerrt am Trolley. Ihr Sohn auch. Sie ringen.

So passiert es viele Male. Beide sind frustriert nach solchen Erlebnissen. Es ist ein stetiger Kampf für sie, für ihn.
Sie beschließt, sie will sich nicht mehr ärgern, sie will glücklich sein im Alltag mit den Kindern!
Aber wie?

Sie ruft mich an.
Wir sprechen über ihre Situation, über ihre Gefühle. Ich erzähle ihr, dass ihre Kinder mit ihr Spielen wollen und davon, dass sie so die Verbundenheit zu ihr spüren wollen.
Ich begleite sie eine Zeit lang. Anne bekommt einen Eindruck davon, wie sie liebevolle Antworten findet auf die täglichen Einladungen ihrer Kinder.
Liebevolle Antworten auf die Frage, „Liebst du mich so, wie ich bin?“

Es kommt der Tag.
Sie hat ihr Kind in der Trage,
Trolley am Arm. Ihr Sohn hebt ihn hoch.
In ihr steigt die Frage auf,
„Was ist das Liebevollste, was ich jetzt tun kann?“

Sie nimmt die freie Hand und berührt ganz sacht ihren Sohn und lächelt ihn an.
Ja, sie liebt ihn.
Ohne Worte
stellt er sacht den Trolley wieder auf den Boden.

Anne ist eine Mutter.
Sie liebt ihre Kinder.
Sie hat sich entschieden, es ihnen zu zeigen, wenn sie danach fragen.

Text und Bild Katrin Lippmann

Wasserritual in Berlin

Eric ist traurig.
Er darf sich verabschieden.
Aber wie?

Die Welt ändert sich.
Er hat sich schon Mäntel genäht.
Und Worte gefunden für sich.
Für den Übergang.

Dafür, dass er sich von Altem,
von Wohlbekanntem verabschieden darf.

Um die Leere – die Stille des Übergangs willkommen zu heißen.

Sein Bauch sagt ihm,
da braucht es noch etwas,
für ihn, für den Ort,
für das Leben,
um Abschied zu nehmen,
um wirklich loslassen zu können.
Um das Leben lassen zu können.

Gut, dass er jemanden kennt, der jemanden kennt und den auch fragt…
So darf ich Erik in seinem Übergang begleiten.
Wir entwickeln gemeinsam ein Ritual des Dankes und des Abschieds.

Ein Wasserritual.
Er ist dabei.
Ganz nah.
So wie er es wollte.

Wir danken dem Ort und den Menschen.
Wir übergeben die Robben, die Eric und seine Kunst ernährt haben, den Wassern der Spree.
Wir reinigen den Ort und segnen ihn, so dass dort Neues wachsen kann.
Zum höchsten Wohle aller Wesen.

Eric freut sich.
Er ist tief bewegt.
So berührt.
Sein Bauch darf jetzt erst mal seinem Kopf erzählen, was da alles so passiert ist.

Jetzt kann er offen und gespannt darauf sein, wie sich das Leben entfaltet.
Sein Leben.
Das Leben der Künstler in Berlin.
Und das Leben dieser Stadt.

Text: Katrin Lippmann
Bild unbekannt.

Die Feuerfrau beim Agnihotra Feuerritual

Abends,
kurz bevor die Sonne untergeht
holt sie ihre Feuerschale raus.

Sie freut sich jeden Abend darauf,
diesen besonderen Moment des Sonnenuntergangs zu feiern und
einen Augenblick inne zu halten.

Sie stellt die Feuerschale vor sich auf den Boden –
die Sonne im Rücken
schaut sie dem neuen Tag entgegen.

Jetzt bricht sie etwas Dhoop –
getrockneten Kuhdung, welcher ganz sanft nach Kräutern riecht.
Diese Stück bestreicht sie mit Ghee –
Butter, die sie vorher gekocht hat
und zündet sie an einer Bienenwachskerze an.
Nun schichtet sie die Stücke so in der Schale, dass sie gut brennen.

Sie wartet auf die Singzeit –
den Moment, an dem die Sonne den Horizont berührt.
Ist es soweit, atmet sie aus.
Sie macht sich ganz leer und wird ruhig.
Sie singt.
Das Sonnenuntergangsmantra:

„Agnaye svaha,
agnaye idam na mama;
prajapataye svaha,
prajapataye idam na mama“

Bei jedem „svaha“ gibt sie mit der rechten Hand eine kleine Gabe Reiskörner mit Ghee ins Feuer.

Das Feuer brennt.
Sie sitzt.
Sie atmet.
Sie schaut in das Feuer.
Sie nimmt es in sich auf.
Sie und das Feuer sind verbunden.
Sie ist das Feuer.
Das Feuer ist sie.

Die Energie des Feuers ist viel größer, als die Flamme selbst.
So wie die Wärme sanft ihre Kreise ums Feuer zieht…

Es ist ganz still in ihr.
In diesem Moment ist sie die Feuerfrau.

Text und Bild: Katrin Lippmann

Gerne mache ich für dich ein ganz persönliches Feuerritual.
Bei dir vor Ort oder per Skype.
Melde dich. Ich freue mich auf dich!

Katrin Lippmann
die Feuerfrau