Lieber Mensch

Lieber Mensch,
du hast alles falsch verstanden.

Du bist nicht hier, um bedingungslose Liebe zu meistern.
Die ist da, wo du her kommst und wieder hin zurück gehst.

Du bist hier, um persönliche Liebe zu lernen,

universelle Liebe, schmuddelige Liebe, verschwitzte Liebe,

verrückte Liebe, zerbrochene Liebe, ganze Liebe,

erhellt von Göttlichkeit.

Gelebt durch die Eleganz des Stolperns.

Offenbart durch die Schönheit des Versagens – meistens.

Du bist nicht hier, um perfekt zu werden. Du bist es schon!

Du bist hier, um menschlich zu sein,

fehlerhaft und fabelhaft,

um dann wieder in die Erinnerung aufzusteigen.

Aber bedingungslose Liebe? Erzähl mir nichts.

In Wahrheit braucht Liebe keine Adjektive,

keine Veränderungen, keine Bedingungen der Perfektion.

Es braucht nur, dass du da bist und dein Bestes gibst.

Es braucht nur, dass du präsent bleibst und alles fühlst,

dass du strahlst und fliegst und lachst und schreist,

dich verletzt und heilst und fällst und aufstehst und spielst

und arbeitest und lebst und stirbst als DU selbst.

Das ist genug, das ist viel!

~ Courtney A. Walsh ~

Wer bin ich?

Katrin Lippmann

Wer bin ich? – Eine Antwort

Ich traue mich, JETZT!
Ich rede nicht darüber.
Ich spreche nicht gerne davon.

Ich sage nicht, dass ich seit über 4 Jahren NUR Mutter bin.
Es ist mir peinlich.
Es fühlt sich so an, als sollte ich es besser NICHT zeigen, weil es mich angreifbar und verletzlich macht.
So, als wäre ich als Person nichts mehr wert, weil ich keiner bezahlten Arbeit nachgehe…
Dabei habe ich viel gearbeitet in der Zeit – in Innen, im Außen.
Es hat lange gedauert bis ich auf die Frage. Was machst du? Wirklich sagen konnte.
Ich bin Mutter.

– Es ist nur im Kopf, schrieb mir neulich eine liebe Frau…
Ja, ich bin kopfkonditioniert durch mein Leben mit Schule, Studium usw. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir dieses ganze Kopfding kaum hilft in meinem Leben.
Also, ich meine jetzt dabei, die praktischen Dinge meines Lebens zu leben. Ich habe das Gefühl, es trennt mich ab vom Leben.

Und mein Bauch weiß, dass ich hier und jetzt am richtigen Ort bin.
Und doch fällt es mir manchmal so furchtbar schwer!
Wie kann ich mir leisten, mir erlauben und es leben – in dieser materiellen Welt NUR Mutter zu sein.
Was heißt, das eigentlich NUR Mutter.
Als wäre DAS nichts wert! – Ich denke, für jede Mutter ist es eine Lebensaufgabe – für die eine mehr – die andere weniger.

Überhaupt weiß mein Bauch sooo vieles. So vieles, was sich kaum in Worte fassen lässt. Er hat mir mein Kind geschenkt, doch das ist eine andere Geschichte.“

Von Herzen Katrin Lippmann

PS: Auf Facebook gibt es auch eine Hörversion des Textes gesprochen von Mark Oswald von www.lerne-storytelling.de.

Eine Frau tritt ans Feuer

Katrin Lippmann

Eine Frau tritt ans Feuer
ganz in weiß gekleidet.
Sie trägt ihr Kind auf dem Arm.
Es ist gerade eingeschlafen.

Sie haben auf dem Weg
fast jedes Sandkorn bewundert.
Es gab weiße, schwarze, braune und
einige schimmerten bunt wie Regenbogen.

Sie beide und ihr Kamel waren dem Stern gefolgt,
er hatte sie gerufen.
Gerade noch hatte die Frau der Sonne ein Abschiedslied gesungen.

Jetzt setzt sie sich ans Feuer.
In die Stille der Anwesenden,
die das Farbspiel des Himmels bewundern
und dem Knistern des Feuers lauschen.

Sie bekommt eine Fackel gereicht.
Sie schaut in die Runde.
Sie spürt die abendliche Ruhe
und die freudige Spannung auf das was kommt.

Sie sieht die unterschiedlichen Farben der Menschen am Feuer.
Freude erfüllt sie.

Sie gibt das Licht weiter und legt es in deine Hände.

Katrin Lippmann

Die liebe Gabriele Mueller hinterließ dazu folgenden Kommentar.

„Ich spüre die Ruhe, die von der Frau ausgeht. Das Kind fühlt sich geschützt und behütet in ihrem Schoß. Sie streichelt zärtlich über das kleine Köpfchen. Die anderen Gäste an dem Feuer der Oase lächeln ihr wohlwollend zu. Ihr Gesang vor einigen Minuten hat alle verzaubert. Ich spüre das urmütterliche Sein in ihr und bin froh sie in unserer Runde zu haben. Das werden bestimmt tiefgehende Gespräche mit ihr … ab morgen, denn heute ist der Abend der Ruhe und Besinnung.“

Vielen Dank für deine Worte Gabriele, die sich sehr stimmig für mich anfühlen. Mehr zu Gabriele und ihrer Arbeit findet ihr auf ihrer Webseite: www.gabriele-mueller.net