Neulich wurde die Spree gerufen.

Katrin Lippmann

Neulich wurde die Spree gerufen.
Wie es so ihre Art ist und
wie sie es hier in der großen Stadt
schon seit einigen hundert Jahren gewohnt ist,
war sie sofort zur Stelle.

Eine Frau bat sie, einen liebgewonnenen Ort zu reinigen
von allem, was abgewaschen werden sollte.

An diesem Ort wollte Neues entstehen.
Es wollte wachsen in Licht und Liebe.

Dieser Ort wollte weiter seinen Dienst tun.
Für die Stadt und zum höchsten Wohle aller Wesen.

Auf dass Frieden im Herzen spürbar ist,
in der Stadt,
in diesem Land.

In dieser Welt, die gerade erst wahrzunehmen beginnt,
dass ihr Herz die ganze Zeit über heil geblieben ist.

Wenn man nach innen lauscht, kann man die kräftigen Trommeln hören
mit denen dieses Herz seit eh und je
die Energien auf der Erde verteilt.

Denn dieses Herz verteilte seit Urzeiten
mit kräftigem Trommeln die Energien auf der Erde.

***

Dies ließ sich die Spree natürlich nur einmal sagen.
Sie nahm alles auf in ihren Schoß und trug es mit sich.

Die Sonne half ihr dabei und auch der fast volle Mond,
denn auch sie wussten um die Abschiede und Neuanfänge.

So nahm die Spree auch die Robben wieder in die Fluten auf –
so oft hatte sie sich über ihre Spiele und Fröhlichkeit an diesem Ort gefreut.

Sie war schon ganz gespannt auf die Geschichten der blauen Robben,
denn sie hatten in den letzten 40 Jahren jede Ecke dieser Stadt gesehen,
auch Ecken, von denen sie zu Anfang gar nicht wussten, dass es sie gab…

Sie hatte Anfänge und Abschiede erlebt.
Unzählige hatten auf den Rücken und in den Bäuchen der Robben stattgefunden.
Und so wussten sie, dass Anfang und Abschied im selben Moment und eigentlich das gleich sind.

Text und Bild Katrin Lippmann
28.04.18

#BerlinerGeschichten

Lady Gaia schwebt durch den Raum

Katrin Lippmann

Lady Gaia schwebt durch den Raum.
Sie kichert.
Gerade hat sie einen Schluckauf.

Was wohl jetzt wieder geboren werden möchte?

Aus den tiefen Feuern des Innen
Aus dem Grün der Pflanzen – aus dem Wachstum

Aus den wallenden Wassern, die sie in einen blauen Mantel hüllen.
Und aus den Lüften, die ihr Gesicht wie Haare sanft und weich streicheln.

Lady Gaia schwebt durch den Raum.
Sie kichert.

Katrin Lippmann

Eine Frau tritt ans Feuer

Katrin Lippmann

Eine Frau tritt ans Feuer
ganz in weiß gekleidet.
Sie trägt ihr Kind auf dem Arm.
Es ist gerade eingeschlafen.

Sie haben auf dem Weg
fast jedes Sandkorn bewundert.
Es gab weiße, schwarze, braune und
einige schimmerten bunt wie Regenbogen.

Sie beide und ihr Kamel waren dem Stern gefolgt,
er hatte sie gerufen.
Gerade noch hatte die Frau der Sonne ein Abschiedslied gesungen.

Jetzt setzt sie sich ans Feuer.
In die Stille der Anwesenden,
die das Farbspiel des Himmels bewundern
und dem Knistern des Feuers lauschen.

Sie bekommt eine Fackel gereicht.
Sie schaut in die Runde.
Sie spürt die abendliche Ruhe
und die freudige Spannung auf das was kommt.

Sie sieht die unterschiedlichen Farben der Menschen am Feuer.
Freude erfüllt sie.

Sie gibt das Licht weiter und legt es in deine Hände.

Katrin Lippmann

Die liebe Gabriele Mueller hinterließ dazu folgenden Kommentar.

„Ich spüre die Ruhe, die von der Frau ausgeht. Das Kind fühlt sich geschützt und behütet in ihrem Schoß. Sie streichelt zärtlich über das kleine Köpfchen. Die anderen Gäste an dem Feuer der Oase lächeln ihr wohlwollend zu. Ihr Gesang vor einigen Minuten hat alle verzaubert. Ich spüre das urmütterliche Sein in ihr und bin froh sie in unserer Runde zu haben. Das werden bestimmt tiefgehende Gespräche mit ihr … ab morgen, denn heute ist der Abend der Ruhe und Besinnung.“

Vielen Dank für deine Worte Gabriele, die sich sehr stimmig für mich anfühlen. Mehr zu Gabriele und ihrer Arbeit findet ihr auf ihrer Webseite: www.gabriele-mueller.net